18.10.2019

Einheizen erst nach Liftschluss

VOR ORT im Jagdschloss Resort  – eine Besichtigung von und für ArchitektInnen

Mit der Veranstaltungsreihe VOR ORT organisiert das Tiroler Achitekturzentrum in regelmäßigen Abständen Besichtigungen von beispielhafter Architektur in Tirol.

Bei herrlichem Herbstwetter treffen wir uns am Samstag, den 12. Oktober auf der Terrasse vor der Lobby des Jagdschlosses. Armin Kathan und Michaela Schweeger werden uns durchs Jagdschloss führen. Die beiden haben gemeinsam mit Ferdinand Reiter, André Licker, und Elsa Bral das Jagdschloss revitalisiert.

Auf der Jagdschloss Terrasse mit Blick auf die Hohe Mut.

Wir spazieren in zwei Gruppen durch die fürstlichen Gemächer und gräflichen Stuben.

Vieles vom alten Bestand wurde beim Umbau 2017 bewusst auf origi­nelle Art und Weise neu eingesetzt. So sind zum Beispiel die pit­toresken, mit Hirschen bemalten Lese­lämpchen aus den alten Zimmern seriell im neu­gestaltet­en alten Ge­wölbe­gang montiert worden. Wie Trophaen aus der Jagd-­Geschichte des Hauses.

Man möge auf die Raucher­kojen in der Schlossbar achten, die raucher­freund­licher­weise in den Fenstern mit wunder­barem Berg­blick platz­iert worden sind. „Wie ein Schnee­sturm schaut das trotz guter Be­lüftung manchmal aus“, schwärmt der leiden­schaft­liche Raucher Armin Kathan. (Ab Nov­ember werden diese Gusto­stückerln seiner Planung allerdings wieder obsolet sein. Spätestens dann werden nämlich alle Raucher im Freien stehen.)

Die Gäste bewundern das alte Gewölbe und die Weiß­tannen­vertäfelung in der Schloss­bar, sie bestaunen das original fürst­liche Mobiliar in den Fürstenzimmern und die auf­wändigen Stahl­regale, die im Rest­aurant­bereich in die Stein­mauer ein­gelassen worden sind.

Der Gewölbegang im Jagdschloss Kühtai.

Dann geht’s weiter übers Gelände des Resorts und über die Straße zum neuen 3 Seenhaus. Die Führung durchs 3 Seen­haus übernimmt Reinhard Madritsch, der den inno­vativen Holz­bau kreiert hat.

„Man darf als Architekt die Kompli­­kat­ionen, die auf 2000 m auf­­tauchen können, nicht unter­­schätzen,“ infor­miert Madritsch die interes­­sierte Architekten­s­char. Auf gut Tirolerisch: Des war a hoate Baustell’.

„Hier schneit es ständig, auch im Sommer und die beauf­­tragten Firmen nutzen das Wetter oft als Ausrede.“ Das Gebäude liegt nur 3 m vom 3-Seen-Lift entfernt und ist sicher­­heits­­technisch mit dem Lift ver­bunden. Bei Aus­lösung der Brand­­melder z.B. wird der 3-­Seen-­Lift gestoppt. Daher dürfen die Gäste erst nach Betriebs­­schluss die Kaminöfen einheizen.

„Wenn es Fragen gibt, dann bitte gleich hier. Im Haus wird es sich ver­laufen.“ Ja, so groß ist das 3 Seen­haus mit seinen 44 Apparte­­ments und Zimmern – von der „hoch & herrlich“ – Superior Suite bis zum „klein & kultig“ Mini-­Appartement.

Hier sehen Sie alle Appartements

„An diesem Haus waren sehr viele beteiligt.“ erzählt Madritsch weiter. Da war kein architekt­onischer Allein­gang möglich. Auch die Bau­herren haben sich gestalt­erisch ein­gebracht. Das Ergebnis sind sehr unter­schied­liche Innen­raum-Designs – vom Retro-Luster aus Italien über ein innova­tives Küchen-Treppen-Möbel von Armin Kathan bis hin zum redu­zierten, gerad­linigen Apparte­ment aus der Feder von Reinhard Madritsch. Und die Quali­tät der bau­lichen und planer­ischen Sub­stanz nimmt jede einzelne Kapriole oder Reduktion gelassen auf.

Die selbst­verständ­liche Gelassen­heit haben beide Häuser gemeinsam. Auch wenn sie unter­schied­licher nicht sein könnten.

Nach der Führung wird auf der Jagd­schloss Terrasse bei Weißwein und Krapfen noch rege diskutiert. Später geht für uns Wander­lustige die Begehung im Längental weiter. Und auf der 3 Seen­runde. Die Abend­sonne spiegelt sich im kleinen See im Längental und in den Panorama-Fenstern des 3 Seenhauses. Das Kühtai ist schön. Wir kommen wieder – spätestens zum Free­riden im Dezember.

Vor dem Steinhaus, Teil des 3 Seenhauses.